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Ausstellungen

In jeder Saison zeigt das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck Ausstellungen mit den verschiedensten Ausrichtungen. Die kulturhistorischen Themenausstellungen werden in aller Regel vom Museumsteam erarbeitet. Hinzutreten aber auch Präsentationen von regionalen oder überregionalen Künstlern.


Ausstellung "Müttertage" (FSJ-Projekt)

Im Rahmen des diesjährigen Freiwilligen Sozialen Jahres Kultur wurde am Sonntag, den 12. Mai 2024, am Muttertag, die Ausstellung „Müttertage“ im Schafstall eröffnet. Der Tag war ein voller Erfolg!

In ihrer Ausstellung thematisiert unsere FSJlerin Lotta Schiller die Herkunft und Geschichte des Muttertags, geht auf die Tradition in verschiedenen Kulturen ein und stellt die allgemeinen, klischeehaften Mutter- und Frauenrollen durch Gegenstände dar, die die typischen Klischees des Mutterseins bedienen. Diese sind zusätzlich noch mit passenden Infotexten, Statistiken und Beschriftungen versehen.

Es gibt einen selbstgefilmten und -geschnittenen Film, in dem verschiedene Frauen und Mütter interviewt wurden. All dies ergänzt eine interaktive Pinnwand, auf der die Besuchenden ihre eigenen Antworten auf die Fragen aus dem Interviewfilm hinterlassen können.

Noch bis zum 21. Mai 2024!

Ein roter Faden durchs Museum: TEXTIL

Den „rote Faden“, den der Titel der Ausstellung anspricht, gibt es wirklich – nicht als Faden, sondern als rotes Seil. Das rote Seil zieht sich deutlich sichtbar vom Eingang beim Gasthaus Ochsen bis zum Dorfplatz. Wer sich entlang des roten Fadens bewegt, wird zu den drei Stationen der Ausstellung geführt.

Weberhaus Dautmergen

Zu sehen ist im „Weberhaus“ die Wanderausstellung „Garne. Stoffe. Waren – Vom Wert des Textilen“, erarbeitet vom „AK Textil im Museumsverband Baden-Württemberg“.

Kaufhaus Pfeiffer

Im Raum der Konfektionsschneiderei im ersten OG zeigen wir einen kurzen Interviewfilm zur Geschichte der Schneiderei im Kaufhaus Pfeiffer und zur Auffindesituation noch vor der Translozierung des Gebäudes.

Bauernhaus Biehle

Schwerpunktthemen

„Experimentelles Handwerk“

Die Besucher treffen auf Spinnrad, Webstuhl, Nähmaschine, Schneidertisch, Filztisch – Geräte also, die im historischen Alltag die Grundlage für die Produktion von Textilien bildeten.

An diesen Geräten arbeiten die Museumshandwerker:innen in der Ausstellung die ganze Saison über – und zwar mit einem klaren Ziel: Es muss ausreichend viel Stoff entstehen, aus dem sich ein Hemd schneidern lässt. Zum Saisonende – genauer: zur Kirbe – soll dieses Hemd unter die Leute gebracht werden und an die Museumsbesucher versteigert werden.

Auf einem weiteren Webstuhl bietet sich für die Besucher:innen die Gelegenheit, an einem historischen Webstuhl einmal selbst Hand anzulegen. Erforderliche Vorkenntnisse: keine. So wächst auf diesem Webstuhl über die Saison hinweg ein Teppich aus den Händen der Museumsbesucher.

Ein weiteres Schwerpunktthema bildet die Nachhaltigkeit der historischen und der modernen Kleidungsproduktion und des damit zusammenhängenden Kleidungsverhaltens in früheren und in unseren Tagen.

Regelmäßige Vorführungen in der Ausstellung im Haus Biehle

  • dienstags: Weißwäsche, textiles Werken – Margret Liehner
    • wöchentlich
  • donnerstags: Filzen und Spinnen
    • Filzen alle vier Wochen, Spinnen unregelmäßig zusätzlich zwischen den Filzterminen
  • freitags: Weben
    • wöchentlich – unregelmäßig ergänzt durch Filzen und Spinnen

An Veranstaltungstagen können auch mehrere Handwerkerinnen tätig werden. Änderungen sind, wie gewohnt, vorbehalten.

Camera Obscura

Im Bauernhaus Biehle - aus den Räumen der Textil-Ausstellung zu erreichen - befindet sich ein Raum, der zu einer Camera Obscura umgebaut wurde.

Eine Camera Obscura besteht aus einem lichtdichten Kasten oder Raum, in den durch ein schmales Loch das Licht einer beleuchteten Szene auf die gegenüberliegende Rückwand trifft. Auf der Rückwand entsteht dabei ein auf dem Kopf stehendes und seitenverkehrtes Bild dieser Szene. Sie ist ein Vorläufer der Fotografie.

Der Raum ist also abgedunkelt und erhält nur durch eine Glaslinse und eine LED-Leiste Licht. Die Besucher können sich in fünf Kinosessel setzen, um das der Camera Obscura entsprechend verkehrte Live-Bild des Dorfplatzes auf sich wirken zu lassen.

Übrigens: Wenn Sie die Möglichkeit haben, schicken Sie jemanden auf den Dorfplatz zu unserem „Movie-Point“. Dann können Sie hier auf der Leinwand Ihrem eigenem Kino-Film beiwohnen.

Fehlstellen - Geheimnisse im Haus Mennwangen

Das Haus Mennwangen aus der Gemeinde Deggenhausertal liegt im hinteren Teil des Museums und stammt aus der Zeit um 1700. Bei ersten Begehungen des im vergangenen Jahr grundlegend sanierten Hauses zur Vorbereitung der Ausstellung kristallisierten sich zahlreiche rätselhafte, ungelöste Aspekte in Historie und Bau heraus. Diesen sogenannten „Fehlstellen“ ist das Freilichtmuseum auf den Grund gegangen, hat diese in Szene gesetzt und lädt Besucherinnen und Besucher zu einer partizipativen Entdeckungsreise ein. Vermittelt werden soll ein Gefühl für die Geschichte dieses Hauses und seiner Bewohner.

Das Projektteam, das die Ausstellung „Fehlstellen - Geheimnisse im Haus Mennwangen“ konzipiert hat, blickt auf eine bewegte Zeit zurück. Mit zahlreichen Herausforderungen und Widrigkeiten haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im vergangenen halben Jahr auseinandergesetzt, um Besucherinnen und Besuchern einen historischen Zugang zu diesem sehr vielschichtigen Gebäude zu ermöglichen. „Das Haus Mennwangen und seine Bewohnergeschichte wirft auch für uns heute viele Fragen auf“, fasst Museumsleiter Andreas Weiß die Arbeit der vergangenen Monate zusammen. „Immer wieder hat uns das Haus vor große Herausforderungen gestellt, ja sogar überrascht, und wir mussten uns darauf einlassen, dass es auch weiterhin blinde Flecken geben wird, mit denen wir als Kunst- und Kulturwissenschaftler kreativ umgehen.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn Weiß und sein Team haben in Zusammenarbeit mit einem beauftragten Architekturbüro einen neuen ästhetischen Zugang geschaffen, der mittels „Lupe oder Taschenlampe“ genau jene blinden Flecken ins Zentrum des Erkenntnisinteresses stellt und somit neue Denkprozesse in Gang bringt. Haus Mennwangen ist ein Haus voller gelebter Geschichten, Geschehnisse und Geheimnisse. Die Fuge, der sogenannte Zwischenraum, ist es, der Geschichte erlebbar macht. „Wir ergründen die Fakten und wir stellen neue Fragen“, so Weiß. Ihm geht es vor allem darum, kulturelle Artefakte erlebbar zu machen und in die Jetzt-Zeit zu übertragen. Mit der Ausstellung zu Haus Mennwangen beschreitet das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck neue Wege und lenkt den Fokus auf genau das, was fehlt und im Verborgenen liegt - nämlich die „Fehlstellen“ und „Geheimnisse“. Insgesamt präsentieren sich dem Besucher die sogenannten Fehlstellen und Geheimnisse an sieben szenografisch herausgearbeiteten Stationen. Zahlreiche Informationen unterstützen den Besucher dabei, den Fehlstellen und Geheimnissen auf den Grund zu gehen und mögliche Antworten zu finden - zugleich bleibt genügend Freiraum für Kreativität und Entdeckerfreude.

Triumph bleibt im Karton

Lächelnd und mit strahlend weißer Bluse reckt die blonde junge Frau ihren Arm in die Höhe um was zu präsentieren? Natürlich Persil! Marlene Dietrich wirbt für Seife und „Marlboro gehört dazu“. So zumindest der Slogan. Haben Sie schon erraten, worum es hier geht? Richtig: Um Werbung! Genauer gesagt um Werbegrafik im Kaufhaus Pfeiffer. Hier kommen die Vintage-Fans ganz auf ihre Kosten, denn wir zeigen Schaufensterwerbung der 1950er bis 1970er Jahre aus Stetten am kalten Markt.
Im Kaufhaus Pfeiffer gab es alles was das Herz begehrte. In über 600 Kartons sind Waren verpackt, die sich bei der Übernahme durch das Museum noch im Haus befunden haben und die nicht im historischen Laden ausgestellt sind. Ein ganz besonderer Schatz ist eine Sammlung mit Werbegrafik, die darauf wartet, von Ihnen wiederentdeckt zu werden.

Die Ausstellung zeigt Spannendes zur Werbung vergangener Zeit und erzählt Wissenswertes zur deutschen Markengeschichte. Es wird ein Lebensgefühl erkundet und der Frage nachgegangen, warum der Aufsteller mit den hübschen, in Triumphwäsche gekleideten Damen im Karton bleiben musste.

Bienenhaus Aixheim

Das „Haus des Jahres“ 2021 ist das kleinste und zunächst vielleicht auch unscheinbarste Gebäude in unserem Freilichtmuseum. Doch das Imkern hatte früher bereits eine wichtige Bedeutung und auch heute ist das Thema Biene wieder in aller Munde.

Unser Bienenhaus aus Aixheim wurde 1933 erbaut und kann mitsamt seiner Originaleinrichtung entdeckt werden. Heute wird das Häusle von unseren fleißigen Museumsbienen umflogen. An verschiedenen Mitmach- und Hör-Stationen, entstanden mit Unterstützung der Bienen-AG des Immanuel-Kant-Gymnasiums Tuttlingen, rund um das Haus des Jahres kann man viel Interessantes über Honig- und auch Wildbienen erfahren.

Auch auf dem weiteren Museumsgelände spielen die gestreiften Arbeiterinnen in dieser Saison eine große Rolle. So haben wir unseren Bienenwagen aus dem Depot geholt und neu eingerichtet. Und schaut doch mal in die bunten Kästen! Die Bienenausstellung im Keller des Haldenhofs Schonach erstrahlt auch in neuem Glanz. Informativ und mit interaktiven Elementen kann man hier Imkerei früher und heute erleben. Wie benutzt man eigentlich die verschiedenen Geräte und wieviel sieht man noch durch einen Imkerschleier? Probiert es selbst aus! Dabei zeigt sich, dass es doch sehr viel Arbeit benötigt bis der Honig morgens auf das Brot geschmiert werden kann.
Der Mensch gestaltet die Umwelt für die Bienen heute immer feindlicher. Das hat fatale Konsequenzen für die Tier- und Pflanzenwelt sowie für den Menschen. Höchste Zeit also etwas für die Bienen zu tun!

Das Projekt wird teilgefördert durch den Rotary Club Tuttlingen.

Was wäre, wenn ... Haldenhof aus Schonach im Schwarzwald anno 1847

Es ist Montag, der 28. Juni 1847. Bauer Hock und seine Kinder, die Magd, der Knecht und das Hütekind erzählen vom Alltag im Südschwarzwald, dem gemeinsamen Leben auf dem Hof und vom Umgang mit einem tragischen Ereignis.

Für die Familie ist 1847 kein einfaches Jahr. Vielerorts sind in Baden die Ernten schlecht ausgefallen, und dann wird im Sommer die Bäuerin krank. „Lungenleiden“ ist die Diagnose, ein Leiden, dem sie am 27. Juni 1847 erliegt. Was passiert auf einem Schwarzwaldhof, wenn die Bäuerin stirbt? Sieben Bewohner des Haldenhofs erzählen vom Alltag auf dem Hof, von ihrer Arbeit und dem Zusammenleben mit den anderen, von ihren Sorgen, aber auch von ihren Hoffnungen und Träumen. Das Leben ist nicht leicht, gerade für die Frauen oder wenn man arm ist. Nicht jeder hat gute Chancen. Aber träumen kostet nichts, und vielleicht wir ja doch einmal alles besser.
Natürlich erscheint die Familie nicht wirklich selbst - es sind Laienschauspieler aus dem Schwarzwald, die in mehreren kurzen Filmen das Leben im Haldenhof des Jahres 1847 zum Leben erwecken. Wichtige erste Hinweise darauf, wer dort Mitte des 19. Jahrhunderts lebte, gaben die Unterlagen der Translozierung des Gebäudes ins Freilichtmuseum in den 1980er Jahren. Allerdings konnten die Unterlagen viele Fragen nicht beantworten, die die Museumswissenschaftler interessierten. „Unsere Vorgänger hatten schon herausgefunden, wer zu welcher Zeit den Haldenhof besaß. Vom Gesinde - Mägden, Knechten, Hütekindern - hatten wir keine Nachweise. Wenn man im 20. Jahrhundert recherchiert, gibt es Menschen, die ihre Erinnerungen erzählen können. Im 19. Jahrhundert haben wir kaum eine Chance, etwas über das Leben von einzelnen Personen herauszufinden - in diesem Fall über die Familie Hock, aus der die letzten Besitzer des Haldenhofs stammten.“
Akribisch wurden daher Archivdokumente wie Familien- oder Kirchenbücher nach Hinweisen auf Hochzeiten oder Todesfälle der Familie Hock untersucht. Aber auch Informationen zum alltäglichen Leben damals wurden zusammengetragen. Daraus haben die Ausstellungsmacher jetzt allerlei interessante Fakten und Anekdoten zusammengetragen. Wie war das mit dem Heiraten und Kinderkriegen eigentlich früher? Wer erbte den Hof? Und warum wanderten eigentlich so viele junge Leute nach Amerika aus? Der Haldenhof wurde komplett neu mit einer Einrichtung anno 1847 eingerichtet, und wer genau aufpasst, kann die Vergangenheit sogar riechen.