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Öffnungszeiten

9. Mai bis 25. Oktober 2020
Dienstag - Sonntag, 9 - 18 Uhr
Einlass bis 17.00 Uhr
(an Feiertagen auch montags geöffnet!)

Telefon

Info-Service: +49 (0)7461 / 926 3200
Museumskasse: +49 (0)7467 / 1391

Adresse

Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck
Museumsweg 1
78579 Neuhausen ob Eck

Anreise

Mit der Bahn nach Tuttlingen,
von dort mit dem Bus 340 nach
Neuhausen ob Eck (Fahrplan nach Neuhausen / Fahrplan nach Tuttlingen).
Mit dem Auto über die B 311
nach Neuhausen ob Eck.

Das digitale Museum

Wir machen für Euch Geschichte – selbst während wir geschlossen haben.

Strohflechten

Schulen und Kindergärten geschlossen, das soziale Leben auf ein Minimum beschränkt – auch für uns Museumsmitarbeiter ist das eine komplett neue Situation. Wir haben schon alles für die Saisoneröffnung vorbereitet, die nun so nicht stattfinden kann. Aber eines ist sicher: gemeinsam kommen wir sicher gut durch die Zeit. Damit euch Zuhause nicht langweilig wird und ihr uns nicht vergesst, haben wir uns etwas für euch ausgedacht – unser digitales Museum. In der Zeit bis zur Wiedereröffnung wird es einen bunten Strauß an Informationen und Mitmach-Aktionen für euch geben: Bilder und Informationen aus dem Museumsalltag, Rezepte, Basteltipps – lasst euch überraschen!

Ein Aufruf in eigener Sache

Schreibmaschine im Schul- und Rathaus

Corona-Pandemie – Ein Sammlungsprojekt

All das, was um uns herum gerade geschieht, hat den Charakter eines historischen Großereignisses. Geschäfte sind geschlossen, viele Firmen müssen ihre Arbeit einstellen, unser alltägliches Leben verändert sich auf eine Art und Weise, wie das wohl seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr der Fall war. Und nein, wir lesen nicht in Büchern darüber oder schauen eine entsprechende Serie im Fernsehen, wir stecken mittendrin.

Für uns als Museum ist klar, dass wir diese Ereignisse für die Nachwelt dokumentieren müssen und wollen. Aber hierfür sind wir auf eure Unterstützung angewiesen. Sammelt das, was mit der Corona-Krise in Zusammenhang steht: Ankündigungen von Geschäften und Restaurants über die Einrichtung von Lieferservice, Warnhinweise, Fotos eures Home-Office, selbstgebastelte Atemschutzmasken, Lernmaterial der Kinder für Zuhause, öffentliche Aushänge … Von all dem würden wir uns gerne ein Bild machen. Deshalb – schickt Fotos eurer Erfahrungen an uns unter: info@freilichtmuseum-neuhausen.de. Und für uns ganz besonders wichtig: schreibt uns zu den Bildern, was ihr damit verbindet, warum für euch das Bild die Corona-Krise verdeutlicht oder warum es wichtig ist. Und natürlich auch, wer ihr seid. Vielen Dank für eure Unterstützung und bleibt gesund!

Mit der Zusendung ist auch die Einwilligung für die Veröffentlichung der Fotos durch das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck verbunden.

PS: Teilen unbedingt erwünscht!

8. Mai

Museumsquiz zum Thema „Eröffnungen“

Morgen ist es soweit: unser Freilichtmuseum darf endlich wieder seine Pforten öffnen. Und so stand auch gleich das Thema für unser dieswöchiges Museumsquiz fest: berühmte Eröffnungen. Wie immer ist das Quiz mit Hilfe des Internets lösbar. 

  1. In welchem Jahr öffnete unser Freilichtmuseum seine Pforten?
  2. Welches ist das älteste Freilichtmuseum in Baden-Württemberg und wann wurde es eröffnet? 
  3. Bei einer der Pariser Weltausstellungen konnte die Stadt mit einem besonderen Bauwerk auftrumpfen: dem Eiffelturm. In welchem Jahr wurde die betreffende Weltausstellung eröffnet? 
  4. Einer der größten Freizeitparks der Welt – der Europapark in Rust. Wann wurde er eröffnet?
  5. Der Sueskanal stellt bis heute eine der wichtigsten Routen für die Schifffahrt da – wann wurde er für den Schiffsverkehr eröffnet?

Viel Spaß beim Knobeln! Schickt die Lösungen bis Sonntagabend an unsere Email-Adresse: info@freilichtmuseum-neuhausen.de. Der Gewinner erhält zwei Freikarten für unser Museum.

7. Mai

„Das ist die größte Seuche, die die Welt je gekannt hat. Schlimmer als die Beulenpest“ (John Oxford)

Auf den Spuren der Spanischen Grippe 1918 – 1920

Im Frühjahr des Jahres 1918, noch während des ersten Weltkrieges, häufte sich schlagartig die Zahl von Menschen mit einer seltsamen Erkrankung. Die Symptome diffus, oft schon nach drei Tagen abklingend, einer sehr starken Grippe ähnelnd. Es waren die ersten Vorboten einer Pandemie, die wir heute unter dem Namen Spanische Grippe kennen. Spanische Grippe deshalb, weil sie erstmals in Madrid öffentlich gemeldet wurde; Madrid hatte zu jener Zeit eine sehr liberale Zensur. Forscher sind sich jedoch sicher, dass die Grippe-Epidemie ihren Ausgang in den USA nahm, wo sie wahrscheinlich in einer Entenzucht auf den Menschen übersprang.

Zwischen 1918 und 1920 verheerte die Grippe in drei Wellen die ganze Welt. Die erste Welle im Frühjahr 1918 zeigte sich mit einem sehr milden Verlauf mit kaum erhöhten Todesraten. Doch schon die zweite Welle im Herbst 1918 und später auch die darauffolgende Welle im Jahr 1919/20 zeigte das wahre Gesicht der Spanischen Grippe: die Letalität stieg massiv an, in Preußen waren beispielsweise zwei von drei Bürgern erkrankt. Und so kostete die Spanische Grippe auch mehr Todesopfer als der gesamte I. Weltkrieg: bei einer Weltbevölkerung von 1,75 Milliarden Menschen starben wahrscheinlich um die 50 Millionen Menschen unter 500 Millionen Erkrankten, hohe Schätzungen gehen von bis zu 100 Millionen Toten aus. Nach 1920 waren im Zuge der Grippe geschätzt bis zu 2,8 % der Weltbevölkerung verstorben. Zu beachten ist jedoch, dass damals Zahlen noch nicht so genau zu erfassen waren wie heute und dass auch die Diagnose nicht immer einfach war, zeigte die Spanische Grippe nämlich eine Vielfalt an massiven Symptomen, was auch viele Forscher anfangs daran zweifeln ließ, ob es sich wirklich um ein Grippevirus handelte. Anders als beim heutigen Corona-Virus starben an der Spanischen Grippe vor allem Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Forschungen legen heute nahe, dass das Virus dazu führte, dass sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendete und in besagter Altersklasse ist das Immunsystem besonders stark ausgebildet, kann sich also auch mit erhöhter Kraft gegen den Körper wenden. Überlebte man die Erkrankung, hatte man mit massiven Spätfolgen zu rechnen. So litten viele Opfer ein Leben lang unter neurologischen Funktionsstörungen. Das Leid, dass diese Pandemie nach sich zog ist kaum zu beschreiben. Ganze Kinder-Generationen verloren ihre Eltern, auf den Straßen stapelten sich die Leichen, da die Bestatter mit der Arbeit nicht mehr hinterher kamen. In den Schützengräben von Frankreich starben mehr Soldaten an der Grippe als an den eigentlichen Kampfhandlungen.

Doch versuchten die Menschen auch, Gegenmaßnahmen zu treffen. Und das, obwohl das Wissen über die Krankheit verschwindend gering war, denn es gelang erst 1933 erstmalig, das Grippevirus labortechnisch nachzuweisen. Ganze Städte oder auch Schiffe wurden unter Quarantäne gestellt. Die Regierungen riefen dazu auf, Menschenmengen zu meiden. Ebenfalls sollten Mund, Hände, die restliche Haut und auch die Kleidung reinlich gehalten werden, es sollte viel gelüftet werden und man sollte darauf achten, dass sich keine Verdauungssäfte im Körper sammelten. Viele dieser Maßnahmen kommen euch sicher bekannt vor, ähneln sie doch denen, die wir heute gegen das neue Corona-Virus ergreifen. Und eines sei hinzugefügt: in amerikanischen Städten, in denen das Tragen von Gesichtsmasken zur Pflicht wurde, fiel die Todesrate um 50%.

Literaturtipp: Salfellner, Harald: Die Spanische Grippe. Eine Geschichte der Pandemie von 1918, 2020.

6. Mai

Schweres Gerät im Freilichtmuseum …

… manchmal, da braucht es selbst in einem historischen Museum Gerätschaften, die eindeutig aus der heutigen Zeit stammen. Zum Beispiel diesen großen, gelben Bagger, der die Wege zum neuen Toilettenhäuschen befestigt. Einige unserer Mitarbeiter werden da ganz neidisch, denn wer würde nicht einmal gerne eine Runde Bagger fahren. 

5. Mai

Ein Buchtipp: „Die Geschichte der Welt in 100 Objekten“ von Neil MacGregor

Durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen und Einstellungen der Vereinstätigkeiten hat man auf einmal viel mehr Zeit als sonst. Das kommt dem privaten Bücherstapel sehr gelegen, denn endlich kann man ihn effektiv abarbeiten. Ich (die Volontärin des Museums, das sollte vielleicht dazu gesagt werden) habe heute einen nicht ganz alltäglichen Büchertipp für euch: Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten. Unzählige Autoren versuchten bisher, die Weltgeschichte zusammenfassend darzustellen, was meist in Regalmetern voller Bücher endete. Neil MacGregor, der lange Zeit Direktor des British Museum in London war, gelingt in seinem Werk aber das schier Unmögliche: einen Überblick der Menschheitsgeschichte zu geben, ohne dass es langweilig oder langatmig wird. Denn er präsentiert sie anhand von von Menschenhand geschaffenen Objekten. Vom Faustkeil bis zum römischen Prunkbecher, über Heiligenstatue und Pfefferstreuer ist wohl alles vertreten, was jemals durch die Hände des Homo Sapiens ging und jedes Objekt erzählt dabei seine ganz eigene, berührende Geschichte Und damit auch einen Teil der Weltgeschichte Ja, das Buch erscheint erstmal recht umfassend, ist aber fast zu schnell ausgelesen und vor allem faszinieren auch die brillanten Fotographien der beschriebenen Objekte. Geblieben ist vor allem eines: das Staunen darüber, zu was der Mensch seit Beginn seiner Existenz, im Positiven wie im Negativen, fähig war und ist.

PS: Unterstützt unbedingt den lokalen Buchhandel! Auch dort kann man Bücher bestellen und sie abholen oder sogar liefern lassen.

PPS: Die Katze ist nicht im Buch-Lieferumfang enthalten.

4. Mai

Winterarbeit …

… kann zu Corona-Zeiten auch mal im Frühling stattfinden. Unser Handwerkerteam hat die coronabedingte Schließung dazu genutzt, auch Altlasten aufzuarbeiten. Unter anderem haben sie die Ausstellungstafeln unserer „Freilichtmuseumsgeschichte-Ausstellung“ (was für ein Wortungetüm!) im Bärbelehaus neu gestrichen.

3. Mai

Bilder einer Ausstellung

Auch bei uns im Museum blühen die Obstbäume, es fühlt sich nach Frühling, fast schon Sommer an. Die Vögel zwitschern und brüten. Auch diese Meise lässt es sich sichtlich gut gehen, so hat sie unser FSJler Tim Eichinger auf einem Baum mit seiner Kamera „erwischt“.

1. Mai

Museumsquiz zum Thema Mai-Singen und Volkslieder

Heute, am 1. Mai, fände eigentlich eine musikalische Führung durch unser Freilichtmuseum statt. Corona hat das ins Wasser fallen lassen und deshalb beschäftigt sich unser allwöchentliches Museumsquiz mit Volksliedern.

  1. „Alles neu macht der …?“ 
  2. „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach.“ – Woher stammt unsere Getreidemühle im Museum? 
  3. „Guten …., gut‘ Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf ich unter die Deck.“ 
  4. „Auf de schwäbsche Eisebahne, gibt’s gar viele Haltstatione: …, … und …., Mekkebeure, Durlesbach!“ 
  5. Nennt uns euer liebstes Volkslied!

Viel Spaß beim Knobeln und beim Singen! Schickt die Lösungen bis Sonntagabend an unsere Email-Adresse: info@freilichtmuseum-neuhausen.de. Viel Spaß!

30. April

Einblick in unsere Corona-Pandemie-Sammlung

Nach und nach trudeln bei uns die ersten Beiträge zu unserer Corona-Sammlung ein, worüber wir uns sehr freuen. So auch dieses Bild von Christina Mikalo, die für den Regional-Sender „Regio TV“ arbeitet. Natürlich mit Mundschutz! Und gestern hat der Sender sogar in unserem Museum einen kleinen Beitrag zum Thema „Corona“ gedreht. Vielen Dank für die Zusendung und wir freuen uns natürlich sehr, wenn ihr unser Projekt weiter teilt und daran teilnehmt!

29. April

Gespräch mit unserem Museumswirt Franz Noll

Franz Noll ist seit 2017 Pächter der Museumsgaststätte Ochsen. Auch er ist von der Coronakrise betroffen, darf er doch seine Gaststätte laut Verordnung nicht öffnen. Was das für ihn bedeutet, wie er darauf reagiert und was er sich für die Zukunft wünscht, darüber hat das Museumsteam mit ihm gesprochen.

„Die Gastronomie wurde schnell und hart getroffen. Darunter auch ich mit der Museumsgaststätte Ochsen. Es wurden alle Veranstaltungen abgesagt wie Hochzeiten, Familienfeiern, Vereinsfeste aber auch alle Bustagesreisen. Was mir persönlich fehlt sind die Besucher im Freilichtmuseum. Nicht nur der schöne Biergarten ist ausgestorben, sondern im Museum herrscht ein Stille wie in der Winterpause und dies bei herrlichstem Wetter.

Noch vor der Betriebsuntersagung haben wir seit dem 15. März einen siebentägigen Liefer- und Abholdienst eingerichtet. Dieser Service wird gerne angenommen, vor allem an den Wochenenden und Feiertagen. Da ich die Speisen selbst ausfahre bin ich im persönlichen Kontakt mit unseren Gästen. Die aufmunternden Worte und die positive Resonanz geben uns auch den Mut und die Kraft weiterzumachen und zu hoffen das es bald ein geordnetes Eröffnen unserer Lokale gibt. 

Ganz besonders möchte ich mich noch bei Herrn Knittel und dem Donaubergland-Team bedanken für ihre Unterstützung der Gastronomie, wie zum Beispiel mit der Gutscheinaktion EhrenGastHaus. Diese wird überregional wahrgenommen und von anderen auch kopiert.

Was ich mir für die Zukunft wünsche? Erst einmal das wir alle gesund bleiben und wir mit sowenig wie möglichem Schaden aus dieser Pandemie hervorgehen. Natürlich auch das wir bald wieder normal arbeiten können. So schwer es mir zurzeit als Gastronom auch fällt wünsche ich eine geordnete Öffnung, so dass wir nicht gleich in eine zweite Welle der Pandemie fallen.

Ich freue mich jetzt schon euch wieder im Freilichtmuseum und im Ochsen zu sehen.“

28. April

Die Natur hat Durst …

Es ist nun Ende April, fühlt sich aber an wie die ersten Sommertage Anfang Juni. Die grillen zirpen abends, es ist lau … aber vor allem eines fällt auf: der Boden ist staubtrocken. Fährt man mit dem Auto über unbefestigte Wege, zieht man eine Staubwolke hinter sich her. Es hat nun seit über fünf Wochen nicht mehr richtig geregnet. Und das in der Zeit des Jahres, wo die Pflanzen austreiben, blühen oder die Samen keimen sollten. Doch nicht nur die Pflanzenwelt leidet unter der Trockenheit, sondern auch die Tierwelt. Insekten, Vögel und Säugetiere finden mittlerweile kaum mehr natürliche Wasserquellen. Aber da können wir mit einfachen Mitteln etwas helfen. Und zwar, indem wir künstliche Wasserquellen zur Verfügung stellen. Aber Achtung, diese sollten nicht zu einer Gefahrenquelle für die Tiere werden. Am Besten eignet sich hierfür ein flacher Teller oder ein Untersetzer für Blumentöpfe. Diesen mit Wasser füllen und auf dem Balkon oder im Garten platzieren. In das Gefäß noch ein paar kleinere steine platzieren, so dass auch Insekten ohne die Gefahr zu ertrinken Wasser aufnehmen können. Und ganz nebenbei kann man an diesen Wasserstellen auch viele Tiere beobachten. Habt ihr kleine Wasserstellen in eurem Garten?

27. April

Apotheken und Zauberpulver – Medikamente früher

Die ganze Welt hofft im Moment darauf, dass etwas gefunden wird…kein großer Goldschatz oder das Bernsteinzimmer sondern etwas viel kleineres: ein Medikament und oder Impfstoff gegen das Corona-Virus. Dutzende Labore forschen unentwegt, denn im Moment scheint es, als könne nur eine Impfung uns dauerhaft von diesem Virus befreien. Doch wie war das früher? Als es noch kein Wissen über Bakterien und Viren gab oder dies noch in den Kinderschuhen steckte?

Schon die Menschen in der weit zurückliegenden Stein- und Bronzezeit wussten, dass bestimmte Pflanzen heilende Kräfte besitzen. Weidenrinde (übrigens später einer der Hauptbestandteile von Aspirin!) wirkt schmerzstillend, Kamille beruhigt den Magen, Salbei hilft bei Halsschmerzen (auf dem Bild des Beitrags zu sehen) und Beinwell hilft bei Knochenbrüchen. Man nimmt an, dass der Mensch sich dieses Wissen zum Teil bei Tieren abschaute, die diese Pflanzen instinktiv von den Tieren konsumiert wurden. Und schon in der Antike schrieben Autoren wie Aristoteles oder Dioskurides Bücher über die Anwendung von Heilpflanzen. Im Mittelalter war der Anbau und die Weiterverarbeitung von Heilkräutern vor allem Sache der Klöster, wobei es auch im einfachen Volk in jedem Dorf mindestens einen oder eine Heilkräuterkundige gab (die in der frühen Neuzeit dann gerne als Hexen verfolgt wurden). Aus den Klosterapotheken entwickelten sich auch „bürgerliche“ Apotheken. Und schon der Stauferkaiser Friedrich II. legte im so genannten Edikt von Salerno fest, dass Ärzte und Apotheker gesetzlich zu trennen seien. Die älteste, durchgehend betriebene Apotheke im deutschsprachigen Raum steht in Trier und wird heute unter dem Namen Löwen-Apotheke betrieben.

In der Neuzeit machte das Thema Medikamente dann rasante Fortschritte. Erste Impfungen wurden im 18. Jahrhundert entwickelt, so stellte man fest, dass die Lymphe von mit Kuhpocken infizierten Kühen bei Gabe verhinderte, dass der Mensch an Pocken erkrankte. Eine Art Immunisierung durch gezielte Infektion. Ähnlich bahnbrechend war die Möglichkeit Medikamente industriell in großer Masse herzustellen. So konnte auch die Wirkung gezielt gesteuert werden und man war nicht mehr abhängig vom natürlich schwankenden Anbau der Heilkräuter, der zudem nicht überall zu gleichen Bedingungen möglich war. Heute geht der Trend wieder in Richtung von naturnahen Medikamenten oder Homöopathie. Ebenso interessant sind auch die nationalen Unterschiede von Apotheken und Medikamenten weltweit. So ist es in Amerika beispielsweise üblich, Tabletten nicht in der Herstellerpackung zu kaufen, sondern sie werden vom Apotheker für den Endkunden nochmals gezählt in gesonderte Behältnisse, meist kleine orangene Schraubdöschen, verpackt.

Schon immer hat die Menschheit versucht, etwas gegen Krankheiten oder sonstige körperliche und geistige Beeinträchtigungen zu unternehmen. Und so können wir im Moment nur alle darauf hoffen, dass bald ein wirksamer Impfstoff gegen das neue Corona-Virus gefunden wird, so dass sich unser aller Leben wieder normalisiert.

Weiterführende Literaturtipps:
• Schmitz, Müller-Jahncke, Friedrich: Geschichte der Pharmazie, Eschborn 2005.
• Friedrich, Chrisoph: Apotheker erinnern sich. Autobiographien aus drei Jahrhunderten, 2007.
• Gerabek, Werner E.: Enzyklopädie Medizingeschichte, Berlin/New York, 2005.

26. April

Bilder einer Ausstellung

Na, wer schaut denn da so verschreckt vom Ast herunter? Und wo ist denn die Nuss? Eichhörnchen sind lustige Kumpanen, und es macht viel Spaß ihnen beim Klettern und Turnen zuzuschauen. Wie sie von Ast zu Ast springen oder hangeln. Es gibt sie in roter oder dunklerer Färbung, je nach Region in der sie leben. Und durch ihre versteckten Nussvorräte sorgen sie dafür, dass sich der Wald jedes Jahr um ein Stück verjüngt.

24. April

Museumsquiz: Schwäbisch für Anfänger – und Fortgeschrittene!

Liebe Museumsfreunde, das dieswöchige Museumsquiz beschäftigt sich mit dem Thema „Schwäbisch.“ Das Quiz ist mit euren Vorkenntnissen und dem Internet lösbar – die Rechtschreibung ist ausnahmsweise einmal zweitrangig.

  1. Das schwäbische Wort für Erdbeermarmelade ist ein absoluter Zungenbrecher. Wie lautet es?
  2. Wo wird Schwäbisch geographisch gesehen überall gesprochen?
  3. Achtung, falscher Freund: Welches Körperteil bezeichnet der Ausdruck „Fuaß“?
  4. „Heba“ steht nicht für heben sondern für …? 
  5. Nennt uns euer liebstes schwäbisches Schimpfwort!

Wie immer das Quiz mit dem Internet lösbar. Schickt die Lösungen bis Sonntagabend an unsere Email-Adresse: info@freilichtmuseum-neuhausen.de. Viel Spaß!

23. April

Eine kleine Biene …

An diesem Sonntag hätte eigentlich unser KISS-Vortrag zum Thema Bienenprodukte stattfinden sollen. Aus bekannten Gründen ist dies nicht möglich. Dafür hat unsere Azubi(e)ne Evelyn aber eine wirklich goldige Biene gebastelt, die uns wenigstens ein bisschen an das geplante Bienenjahr erinnert. Bastelanleitung und Vorlage findet ihr hier. Viel Spaß beim Nachbasteln!

22. April

Petra und der Rhabarberkuchen

Petra arbeitet im Info-Service unseres Museums – wenn ihr also Führungen buchen wollt oder sonstige Auskünfte über das Museum braucht, landet ihr bei ihr am Telefon. Außerdem backt sie richtig guten Kuchen und da gerade der Rhabarber zu sprießen beginnt, teilt sie mit euch ihr Rezept für ausgezeichneten Rhabarberkuchen.

Ihr braucht:
– 50 g gemahlene Haselnüsse
– 200 g Mehl
– 100 g Zucker
– 1 Packung Vanillezucker
– 1 Prise Salz
– 125 g Butter
– 1 Ei

Aus diesen Zutaten einen Mürbeteig herstellen und kühl stellen. 500 g Rhabarber vorbereiten und klein schneiden. Den Teig in eine Springform ausrollen und mit dem Rhabarber bedecken. Eine Handvoll Mandelplättchen darüber streuen.

Aus:
-1 Becher Sahne, kurz angeschlagen
– 100 g Zucker
– 2 Eier
– 2 EL Mondamin 

eine Gussmasse herstellen und diese auf dem Kuchen verteilen. Den Kuchen dann bei 180 Grad Celsius ca. 50 Minuten backen. Guten Appetit!

PS: Wenn die Rhabarber-Zeit vorbei ist kann man den Kuchen auch super mit Apfelstückchen zubereiten.

21. April

Schwein gehabt!

Die Zeit, in der das Museum geschlossen ist, nutzen wir auch dazu, das Gelände in Stand zu halten. Das Team hat sich um unser Schweinegehege gekümmert. Beispielsweise wuchs im letzten Herbst die giftige Kronwicke auf den Weiden, die Schweine sollten diese keinesfalls fressen. Um sie biologisch zu bekämpfen, wurde über den Winter schwarze Plastikfolie über die Wiese gebreitet. Das führt dazu, dass kein Wasser, kein Licht und wenig Sauerstoff zu den Pflanzen vordringt – außerdem staut sich die Hitze darunter. Alles keine optimalen Bedingungen und so stirbt die Kronwicke ab.

20. April

Hamstern – Was haben die Nagetiere mit Klopapiermangel und Rezepten für Hefe zu tun?

Im Moment erleben wir in den Supermärkten Situationen, wie wir sie nur aus Erzählungen über den Krieg oder über die DDR kennen. Die Regale bestimmter Warengruppen sind wie leer gefegt: Nudeln, Mehl, Konserven, Seife, Hefe oder Klopapier. Man könnte sich nun fragen, ob die Deutschen zu einem Volk der Brotbäcker mutiert sind, oder ob Corona zum massiv auftretendem Brechdurchfall führt. Aber es sei verraten – keines von beidem ist der Fall. Stattdessen grassiert gerade ein Phänomen, das seinen Namen von einem kleinen Pelztier hat, das gerne seine Backentaschen mit Nahrung vollstopft und diese hortet: Hamstern. Denn nichts Anderes machen wir gerade, denn realistisch betrachtet braucht niemand 40 Rollen Klopapier Zuhause oder 5 kg Nudeln. Doch warum hamstern wir trotzdem? Und sind wir ehrlich, auch uns Museumsmitarbeiter hat es schon erwischt. Nämlich als eine Kollegin vom mittäglichen Edeka-Besuch zurückkehrte und verkündete: Edeka hat wieder Klopapier! – Brauche ich nicht doch noch eine Packung – sicherheitshalber? Hamstern ist kein obligatorischer Vorgang, zumindest im Moment nicht. Die Versorgung mit dem Lebensnotwendigen ist zu jeder Zeit gewährleistet. Wenn wir eine scheinbare Verknappung wahrnehmen, sind wir selbst daran Schuld – durch unnötige Einkäufe in großer Stückzahl räumen wir die Regale schneller leer, als die Speditionen nachliefern können. Und wir verhalten uns unsolidarisch. Seid also ehrlich mit euch: man kann sich auch nur mit einer Seife gleichzeitig die Hände waschen. Mitdenken anstatt Panikkäufe – das ist die Devise der Stunde.

Historisch gesehen ist das Hamstern ein Symptom, dass im Kontext der beiden Weltkriege vermehrt auftrat. In diesen Zeiten jedoch absolut berechtigt. Schon während der Kriege war Hamstern unter dem Einfluss der Kriegswirtschaft an der Tagesordnung. Doch gerade nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahm dieses Phänomen große Ausmaße an. Die Versorgungslage innerhalb der Städte war schlecht. Die Fahrkarten für Eisenbahnen jedoch günstig und so fuhren viele Stadtbewohner aufs Land, um Geld oder Besitz gegen Lebensmittel wie Kartoffeln einzutauschen. So mancher Bauer kam zu dieser Zeit zu einem Pelzmantel oder einem feinen Silberbesteck. Welch großer Gegensatz ist dies zur heutigen Kultur, wo die Landbewohner in die Stadt fahren, um dort Güter zu erwerben, die sie sonst nur im Onlinehandel erhalten.

Für all die Hobbybäcker, die nun wirklich ihr frisch gebackenes Brot vermissen oder unsere Dünnele nachbacken wollen, hier ein Rezept, wie ihr selbst Hefe herstellen könnt. Ihr baucht dazu: 100 ml Bier, 1 EL Mehl und 1 TL Zucker. Alles gut durchmischen und ab damit ins Schraubglas, am Besten über Nacht. Und schwupps, am nächsten Tag dann wie Fertig-Hefe verwenden im Teig. Aber Achtung, bitte daran denken die Flüssigkeit in eurem Rezept entsprechend zu reduzieren. Und da für dieses Rezept kostbares Bier geopfert wird, kann man sich dabei auch gut überlegen, ob man die Hefe wirklich benötigt oder ob da schon wieder das kleine, nagende Pelztierchen im Panikmodus um die Ecke schielt.

Demnächst wollen wir uns auch damit beschäftigen, wie unsere Vorfahren vor 200 Jahren mit dem Thema Vorratshaltung und Haltbarmachung umgingen – seid gespannt!

19. April

Bilder einer Ausstellung …

War letztes Wochenende, passend zu Ostern, ein Hase zu betrachten, könnt ihr diesen Sonntag seinen Antagonisten sehen: den Fuchs. Wir Kollegen sind uns einig, das ist für uns das schönste Bild der Ausstellung. Der Fuchs wirkt, als würde er gleich aus dem Bild springen und man möchte beinahe die Hand ausstrecken, um ihn zu streicheln. Habt ihr schon einmal einen Fuchs bellen gehört? Gerade wenn man nachts, alleine im Dunkeln, durch Wald und über Wiesen läuft, ist das wirklich gruselig.

18. April

Corona-Bingo

Im Moment werden wir mit Nachrichten zum Thema Corona nahezu überschwemmt. Die Tageszeitungen sind voll, im Internet gibt es Videos, Bilder und Tipps zu jedem erdenklichen Corona-Zusammenhang und selbst das öffentlich-rechtliche Fernsehen zeigt jeden Tag einen Sonderbeitrag. Und in dieser Flut ist uns etwas aufgefallen … es werden oft die gleichen Phrasen und Begriffe verwendet. Und weil wir der Meinung sind, dass wir die Situation auch ab und zu mit einem Augenzwinkern sehen sollten und der Humor nicht verloren gehen darf, haben wir ein Corona-Bingo für euch entwickelt. Einfach hier ausdrucken und sich damit vor den nächsten Nachrichtenbeitrag zum Thema Corona setzen, und wenn ein Begriff genannt wird dieses betreffende Feld ausstreichen. Ziel sind eine Linie ausgestrichener Felder – ihr werdet sehen, die waagerechte, senkrecht oder diagonale Linie ist schneller voll, als ihr denkt. Bingo und viel Spaß!

PS: Ihr könnt das Spiel natürlich beliebig oft spielen, indem ihr die Begriffe in den Kästchen neu anordnet. Aber Achtung, höchstens mit Personen aus eurem Haushalt oder einem Freund in freier Natur!

17. April

Museums-Quiz zum Thema Zahlen und Daten

Denkt man an das Thema Geschichte, denkt man doch fast unweigerlich an das Thema Zahlen und Daten. Sie sind nicht selten der Grund, dass der Geschichtsunterricht in der Schule als langweilig verschrien ist. Doch trotzdem kommen auch wir nicht ohne ein paar wichtige Jahreszahlen im Museum aus … 

  1. In welchem Jahr wurde das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck eröffnet? 
  2. Wie viele Besucher besuchen durchschnittlich das Museum pro Saison? 
  3. Im Februar 2011 wurde welches Märchen im Freilichtmuseum verfilmt? 
  4. Wie viele Freilichtmuseen gibt es in Baden-Württemberg?
  5. Von wann bis wann hat das Freilichtmuseum sonntags geöffnet? 

Wie immer das Quiz mit dem Internet lösbar. Schickt die Lösungen bis Sonntagabend an unsere Emailadresse: info@freilichtmuseum-neuhausen.de. Viel Spaß!

16. April

Nisthilfen

Ein untrügliches Zeichen, dass der Frühling naht, sind zwitschernde und singende Vögel, die in den Morgenstunden zu hören sind. Eigentlich würde heute der Kinderkurs zum Thema Nisthilfen bauen im Museum stattfinden aber dank bekannter Situation haben wir beschlossen, die Nisthilfen einfach zu euch nach Hause zu bringen. Doch warum brauchen die Vögel überhaupt Nisthilfen? Alte, morsche Bäume, die die Vögel in der Natur hauptsächlich als Nistplatz nutzen, werden immer seltener. Der Brutraum für die Vögel wird so immer knapper. Nisthilfen können hier Abhilfe schaffen. Man kann sie aus vielen verschiedenen Materialien bauen, z.B. Holz oder Beton.

Die Webseite des NABU (Naturschutzbund Deutschland) hat zum Thema Nisthilfen viele tolle Informationen zu bieten – unter anderem auch Anleitungen wie ihr diese selbst bauen könnt: https://www.nabu.de/tiere-und-pfla…/…/nistkaesten/index.html

Habt ihr schon einmal Nisthilfen für euren Garten gebaut? Wir freuen uns immer über Fotos!

15. April

Martin und die Obstbäume

Unser Museumsgärtner Martin schneidet jedes Jahr mit viel Geduld und Fachwissen die Obstbäume auf unserem Gelände. Dafür ist er, neben den Gärten und sonst alles, was so grünt und blüht, auch zuständig. Und Obstbäume gibt es bei uns eine Menge. Hinter dem Backhaus ist unsere große Streuobstwiese zu finden. Auf der Streuobstwiese sind viele verschiedene Apfel- und Birnensorten zu entdecken. Auch seltene oder besonders historische Sorten. Entlang der Allee, die zu unserem Dorfplatz führt gibt es ebenso viele Obstbäume, genauso wie beim Bauernhaus Mennwangen im hinteren Teil des Museums. Auch haben wir eine ganz besondere Obstsorte im Museum: die Zibarte, die eine Unterart der Pflaume darstellt. Unser Martin hat da also ganz schön viel zu tun!

14. April

Juden, Hexen und die Schuld

Seuchen unter Menschen und Tiere, Wetterextreme, zerstörte Ernten, Unfruchtbarkeit, missgebildete Kinder, Unfälle … die Liste der Dinge, für die früher und heute Schuldige gesucht wurden und werden ist schier unendlich. Während die Wissenschaft heute viele dieser früher unerklärlichen Phänomene nachvollziehen kann, mussten in alten Zeiten andere Erklärungen oder Schuldige gefunden werden (siehe dazu auch unseren Artikel über Krankheitsübertragung). Dies geschah auch durch die gezielte Beschuldigung, Stigmatisierung und Verfolgung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen.

Der Begriff „Hexenverfolgung“ dürfte jedem geläufig sein. Doch was verbirgt sich dahinter? Anders wie das viele Medien suggerieren, war die gezielte Verfolgung vermeintlicher Hexen kein Phänomen des Mittelalters, sondern der frühen Neuzeit. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass im ausgehenden Mittelalter das Folterverbot aufgehoben wurde und somit beliebige Geständnisse (und somit auch Beschuldigungen, „Besagungen“, gegen andere Menschen) erpresst werden konnten. Die kleine Eiszeit zum Ende des Mittelalters sorgte für eine Agrarkrise und damit Teuerung der Lebensmittel. Zusätzlich traten massenhaft Extremwetterereignisse wie Hagel auf. Das war damals noch alles nicht erklärbar, aber irgendeinen nachvollziehbaren Grund musste es doch geben, dass solche schrecklichen Ereignisse über die Menschen hereinbrachen. Hexerei. Die Hexenverfolgung an sich wurde nahezu standardisiert, Prozessabläufe festgelegt, genauso wie Folter oder die so genannten Hexenproben. Fast immer endete der Prozess mit dem Todesurteil und daraus folgend der Hinrichtung. Während der Hexenverfolgung der Neuzeit wurden auf dem europäischen Kontinent wohl zwischen 40.000 und 60.000 Menschen hingerichtet. Sicher, eine Mehrheit davon Frauen und junge Mädchen, doch auch Männer und Knaben konnten und wurden der Hexerei bezichtigt und verurteilt. Ein wichtiger Zusatz, da es immer wieder falsch verstanden oder vergessen wird: die Hexenverfolgung ging nicht von der Kirche aus, sondern war eine weltliche Angelegenheit.

Eine weitere vermeintliche Erklärung für obengenannte Phänomene: die Schuldigkeit von Menschen jüdischen Glaubens. Während der Pestwellen des Mittelalters kam es immer wieder zu Judenverfolgungen. Juden wurden verbrannt, gelyncht, vertrieben. Unter anderem mit der Begründung, dass sie Brunnen vergiftet hätten, was zur Erkrankung der christlichen Bevölkerung führte. Dass auch Menschen jüdischen Glaubens an den Seuchen starben, war hierbei nicht von Belang. Weitere Anklagen an die jüdische Gemeinschaft: Hostienfrevel oder Ritualmorde. In Wahrheit steckten aber auch hier ganz andere Motive in den Gräueltaten gegen jüdische Mitmenschen. Geldgier, politisches Machstreben oder Neid.

Sicher, einige dieser Verfolgungen wurden nicht durch niedere Beweggründe ausgelöst wie Neid, sondern entsprangen einer realen Angst, einer Hysterie. Doch auch dies darf niemals eine Rechtfertigung dafür sein, anderen Menschen Schaden zuzufügen. Und wer nun denkt, dass das doch alles schon längst ein alter Schuh wäre, ein Phänomen in der Geschichte das ungebildete Menschen betrifft, der sei an die heutigen fake-News oder Verschwörungstheorien erinnert. So weit weg von damaligen Geschehen sind wir gar nicht. Deshalb: sammelt Informationen aus unterschiedlichen Quellen und schafft euch eure eigene Meinung. Oder wie Kant es so schön sagen würde: Wagt, euch eures eigenen Verstandes zu bedienen.

Weiterführende Literaturtipps:
• Toch, Michael: Die Juden im mittelalterlichen Reich, München 2003.
• Levack, Brian P.: Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa, Becksche Reihe 1999.
• Foucault, Michel: Wahnsinn und Gesellschaft, Frankfurt am Main 1973.

13. April

Die Sage vom Mühlstein

Im Koppenland liegt Mitten im Wald ein Mahlstein. Doch was hat er da zu suchen, ist weit und breit doch keine Mühle in der Nähe? Es wird die Mähr der schönen Esslinger Müllerstochter erzählt. Sie war so schön, dass sich gleich zwei junge Männer unsterblich in sie verliebten. Ein Müllerssohn aus Wurmlingen und einer aus Möhringen. Das Problem daran, die Dame konnte sich partout nicht entscheiden, welchen der beiden Herren sie nun gerne zum Mann hätte. Deshalb ergriffen die beiden Herren eine durchaus pragmatische Lösung: ein Duell um die schöne Müllerin. Der Sieger daraus sollte ihre Hand gewinnen. Die Müllerstochter wusste von den Plänen, griff aber nicht ein. Und so kam es, wie es kommen musste: beide Kontrahenten trafen und verbluteten elendig im Wald. Die Dame nahm den Schleier und ging ins Kloster. An der Stelle, an dem die beiden Männer den Tod fanden, ist der Mahlstein zu finden.

„So geht’s, wenn ein Mädchen zwei Buben lieben tut,
’s geht wunderselten gut – ja gut.
Da haben wir’s wieder gesehn, ja gesehn
was falsche Liebe tut – ja tut.“

In Möhringen geht bis heute die Sage um, dass sich der Mühlstein am Karfreitag beim 12 Uhr Läuten einmal um die eigene Achse dreht. Besonders bemerkenswert dabei ist, dass die Glocken am Karfreitag in einem katholischen Dorf nicht läuten.

(Informationen: Schwäbischer Albverein, Ortsgruppe Tuttlingen)

12. April

Liebe Freunde des Freilichtmuseums Neuhausen ob Eck,

das gesamte Team des Museums wünscht euch und euren Familien ein frohes Osterfest. Ja, dieses Jahr ist vieles anders, man kann nicht im Kreise der Großfamilie feiern aber wir sind uns sicher, dass der Osterhase trotzdem den Weg zu euch findet. Und wir freuen uns schon sehr, euch hoffentlich bald – so denn es die Situation zulässt – wieder in unserem Museum willkommen zu heißen. Passt gut auf euch auf und bleibt gesund!

Bilder einer Ausstellung …

Zur Beginn der neuen Saison wäre auch die Fotoausstellung unseres FSJlers Tim Eichinger eröffnet worden. Er fotografiert in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne die heimische Flora und Fauna. Die Ausstellung zeigt ein Best-Of seiner Bilder und gibt auch Erläuterungen zu den abgebildeten Tieren.

Von nun an zeigen wir hier jeden Sonntag eines der Bilder – und hoffen, dass wir euch bald in der realen Ausstellung willkommen heißen dürfen. Den Anfang macht natürlich: Der (Oster)Hase.

11. April

Der Osterhase kommt trotz Corona auch zu euch …immerhin wäscht er sich brav die Pfoten und hält mindestens 1,50 m Abstand zum Osterküken! Hier findet ihr dank Evelyn eine Anleitung für den puschligen Hasen! 

Viel Spaß beim Nachbasteln und wie immer freuen wir uns über Fotos unter info@freilichtmuseum-neuhausen.de der Ergebnisse. Viel Spaß!

10. April

Das Osterfest steht vor der Tür. Und so steht das dieswöchtige Museumsquiz ganz im Zeichen von Ostereiern und -hasen. Dieses Mal sind ganz besonders die Recherche-Ratefüchse gefragt. 

  1. Am Ostersonntag suchen die Kinder die Osternester, in denen zuvor der Osterhase die Eier versteckt hat. Doch warum denn gerade ein Hase, der die Eier versteckt? 
  2. Eine Geschichte erzählt, dass am Gründonnerstag die Kirchenglocken nach Rom fliegen und am Ostersonntag zurückkehren. Was bringen sie bei ihrer Rückkehr mit?
  3. Bei welchem Gebäude sind denn unsere „Museumsosterhasen“ untergebracht?
  4. Welche Farbe wird in der katholischen Liturgie an Ostern getragen? 
  5. Wie viel Apostel nahmen mit Jesus am letzten Abendmahl teil?

Das Museumsteam wünscht euch ein frohes Osterfest und viel Spaß beim Rätseln – es gibt wieder zwei Freikarten zu gewinnen! Sendet die Lösung an info@freilichtmuseum-neuhausen.de.

9. April

O, heilige Corona!
Es nimmt nicht Wunder, dass die heilige Corona, wie es die Süddeutsche Zeitung nannte, eine „Renaissance“ erlebt. Der Gleichklang zwischen dem Namen der Heiligen und dem jener Viren, die derzeit die Welt lahmlegen, lässt sich leicht erklären. Der Name der frühchristlichen Märtyrerin heißt übersetzt „die Gekrönte“. Als Forscher in den 1960er-Jahren die hoch gefährlichen Viren entdeckten, ließen sie sich von deren kranzartigem Aussehen anregen und griffen bei der Namensgebung auf eben dieses lateinische Wort für „Krone“ oder „Kranz“ zurück: corona.

Doch nicht allein das macht die, wie es andernorts heißt, „vergessene Heilige“ aktuell. Nicht nur bei Schwierigkeiten in Geldangelegenheiten wird Corona angerufen; gerade gegen Seuchen sollen die Fürbitten zu ihr helfen. Dies jedenfalls lässt sich mittlerweile nicht wenigen Kommentaren zu den verwirrenden gesellschaftlichen Verhältnissen aktuell entnehmen. Da die heilige Corona als „Pestheilige“ in aller Munde ist, zog etwa auch die Domschatzkammer des Aachener Münsters die Restaurierung ihres Corona-Reliquiars medienwirksam vor.

Die Legende
In Syrien soll es gewesen sein, unter Kaiser Antonius, der von 161 – 180 n. Chr. herrschte (viele Quellen bringen weitere Orte, Zeiten und Kaiser ins Spiel). Corona war erst 16 Jahre alt, als sie einen grausamen Hinrichtungstod erlitt, da sie ihren christlichen Glauben nicht preisgeben wollte. Die Spitzen zweier Palmen wurden zu Boden gezogen und die junge Frau daran festgebunden. Anschließend ließen die Henker die Palmen zurückschnellen … was dann geschah, ist nur schrecklich.

Auf sichere Belege kann sich diese Heiligenlegende jedoch nicht stützen. Ebenfalls keine verlässlichen Quellen findet, wer nach der Herkunft von Coronas Patronat gegen Seuchen sucht. Die einschlägigen Nachschlagewerke jedenfalls lassen es an derartigen Hinweisen fehlen. Ausgangspunkt der Verbreitung eines Seuchenpatronats der heiligen Corona scheint das viel gelesene heiligenlexikon.de zu sein. In der Gegend um die kleine Gemeinde St. Corona am Wechsel (Niederösterreich) beten die Menschen zu ihrer Kirchenpatronin, unter anderem weil sie gegen Viehseuchen helfe. Die Nennung dieser lokalen Tradition nun im heiligenlexikon.de (Art. Corona) und die damit verbundene – und verfälschende – Verallgemeinerung scheint dafür verantwortlich sein, dass so viele Autoren in den analogen und digitalen Medien derzeit der Heiligen mit dem Namen eines Virus trügerische Bekanntheit verschaffen.

Wer sich trotz des ungesicherten Patronats Hilfe gegen die Corona-Krise von der heiligen Corona erhofft und ihr Grab besuchen möchte, müsste, wenn man dürfte, in eine gefährliche Gegend reisen. Das Grab liegt in der italienischen Region Venetien, mithin eines der ersten Gebiete, das aufgrund der Verbreitung des Virus abgeriegelt werden musste.

Der Gedenktag der heiligen Corona fällt auf den 14. Mai. Was die Zeit bis dahin bringt, kann heute niemand absehen. Die Hoffnung, ob mit oder ohne Märtyrerin, bleibt.

8. April

In unseren Fotos findet ihr ein neues Bastelprojekt – ein kleines, kuschliges Osterküken! Unsere Azubine Evelyn hat eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für euch erstellt. Viel Spaß beim Nachbasteln und wie immer freuen wir uns über Fotos unter info@freilichtmuseum-neuhausen.de der Ergebnisse. Viel Spaß!

7. April

Brisilleneier färben

Ostereierfärben auf historische Weise

Untrennbar mit Ostern sind die bunten Ostereier verbunden. Die Eier, ein Symbol der Fruchtbarkeit, lassen sich heute ganz einfach wunderschön bunt färben, mit fertigen Farben aus dem Supermarkt, die ganz leicht zu verwenden sind. Früher war das alles etwas aufwändiger, dafür kann man die Farben für das Färben in der Natur oder Küche finden. 
Im Folgenden haben wir euch eine kleine Liste zusammengestellt, womit sich Eier besonders gut färben lassen. Die Eier werden immer mit er betreffenden Zutat und heißem Wasser entweder aufgekocht, oder auch darin ziehen gelassen. Ein paar Spritzer Essig in der Färbelösung helfen, dass die Farbe besser angenommen wird und haltbarer ist.

– Gelb: Zwiebelschale, Kurkuma
– Grün: frischer, gehackter Spinat
– Rot: Rote-Beete-Saft oder Holundersaft

Mit all diesen Mitteln könnt ihr Eier einfarbig einfärben. Aber es gibt auch Wege, mit denen ihr Muster auf die Eier bekommt. Der einfachste Weg ist es, die Fläche, die nicht gefärbt werden soll, farbfest zu versiegeln. Das geht beispielsweise mit Wachs. Man kann mit flüssigem Wachs Muster auf das Ei malen und dieses dann färben (aber Achtung, nicht kochen oder zu heißes Wasser nehmen, sonst löst sich das Wachs wieder!). Nach dem Färben kann das Wachs entfernt werden und die Eier zieren die Muster. Das geht aber zum Beispiel auch mit gewachstem Bindfaden, der um die Eier gewickelt wird oder mit Pflanzenteilen, die darauf befestigt werden. Hierzu einfach die Pflanzen auf die Eier legen und mit einem Feinstrumpf überziehen und verknoten. Diese Technik wird auch beim Brisilleneierfärben angewandt. Diese Färbetechnik zeigt der Trachtenverein Trossingen jedes Jahr um Ostern in unserem Museum. Mit Hilfe des besonderen Blauholzes werden so wunderschöne Farbeffekte erzielt. 

Nachdem eure Eier gefärbt sind, könnt ihr diese noch mit einer Speckschwarte abreiben – dann glänzen sie wunderschön! 

Viel Spaß beim Ausprobieren und wir freuen uns sehr über Fotos eurer Ergebnisse! 

6. April

Zuckerhase zum Osterspaß

Die Karwoche

Gestern, am Palmsonntag, hat die Karwoche begonnen. Karwoche? Was ist das denn eigentlich? Wie hängt das mit Ostern zusammen? Und wie sah das früher aus mit der Zeit um Ostern?

Die Karwoche ist im christlichen Glaube die letzte Woche der vor-österlichen Fastenzeit. Innerhalb dieser Woche liegt der Ostersonntag, aber ebenso auch Karfreitag und Gründonnerstag. Es ist vielleicht nicht ganz unwichtig zu erwähnen, was an den jeweiligen Feiertagen denn überhaupt gefeiert, bzw. begangen, wird. Am Palmsonntag zog Jesus auf einem Esel in Jerusalem ein. Am Gründonnerstag fand das letzte Abendmahl statt, Jesus wurde von Judas verraten und dann gefangengenommen. Am Karfreitag wurde Jesus ans Kreuz genagelt, nachdem er es zum Kreuzigungshügel tragen musste, und starb. Am Ostersonntag feiert man die Auferstehung Jesu von den Toten und seinen Aufstieg in den Himmel. 

Innerhalb der Karwoche stellen Karfreitag und Karsamstag die Tage der Trauer dar. Im kirchlichen Jahr sind dies die einzigen Tage, an denen keine heilige Messe gefeiert wird. Die Kirchenglocken schweigen von Karfreitag bis Ostersonntag. Und ab Palmsonntag werden in den Kirchen die Kreuze verhüllt.

Früher war Ostern noch ein viel wichtigeres Fest als heute, da die Kirche den Alltag der Menschen noch viel stärker bestimmte und Ostern nun mal das Hochfest der christlichen Kirchen darstellt. Die Geschenke waren nicht so üppig wie heute, allenfalls gab es für die Kinder gefärbte Eier oder ein Zuckerei. Weil die Kirchenglocken nicht geläutet wurden, zogen die Kinder mit Rätschen durch die Straßen um die Uhrzeit zu verkünden. Dafür erhielten sie einen kleinen Obulus. Auch wurde am Karfreitag streng gefastet und auf Fleisch verzichtet. Da Fisch aber beim Fasten nicht als Fleisch gilt, ist der Karfreitag der traditionelle Tag des Fischgerichtes. 

Welche Osterbräuche kennt ihr aus eurer Gegend und eurer Kindheit? Färbt ihr Eier? Und wer hat schon einmal den Osterhasen gesehen? 

3. April

Es ist Freitag und damit Zeit für unser Museumsquiz! Diese Woche lautet das Thema: Handwerk. Viele Handwerke wie die Wagnerei oder die Küferei stehen vor dem Aussterben, weil ihre Ergebnisprodukte nicht mehr gebraucht werden oder mittlerweile billiger und schneller industriell gefertigt werden. Viele solcher Handwerksbetriebe können nur noch als kleine, spezialisierte Manufakturen existieren.

  1. Das Wagnerhandwerk ist ein beinahe ausgestorbenes Handwerk. Der Name verrät es fast, was stellt denn ein Wagner her?
  2. Wie nennt sich der kühle und feuchte Webkeller?
  3. Die Strohflechterei war im Süden Deutschlands vor allem in einer Region präsent. In welcher?
  4. Vor der Erfindung der Tupperware war welcher Handwerker damit beschäftigt, Ess- und Kochgeschirr zu fertigen?
  5. Tuttlingen ist für etwas berühmt geworden, was aus Leder hergestellt wird. Firmennamen wie „Rieker“ oder „Solidus“ erinnern bis heute daran. Was ist gemein?

Viel Spaß beim Rätseln – es gibt wieder zwei Freikarten zu gewinnen! Sendet die Lösung an info@freilichtmuseum-neuhausen.de.

2. April

Kirche Tischardt im Schnee
Albdorf im Winter
Bärbelehaus im Schnee
Schwarzwald im Schnee

Ungewöhnliche Wetterereignisse …

Letztes Wochenende, Samstag, strahlender Sonnenschein und mancherorts fast 20 Grad Celsius. am Tag darauf: Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt, Schneefall. Die Bilder, die ihr unten sehen könnt stammen von Montag, 30. März. Das Museum ist mit Schnee bedeckt. So eine prägnante Änderung innerhalb eines Tages. Wetteranomalien, wie späte Kälteeinbrüche sind nichts außergewöhnliches, kommen in den letzten Jahren gehäuft vor, unter anderem bedingt durch den Klimawandel. Außergewöhnlich werden die Anomalien dann, wenn sie in ihrer Intensität auffällig sind. Vor dem Schwarzen Tod, der großen Pestwelle des 14. Jahrhunderts, gab es 1346/47 eine Kälteanomalie mit viel Niederschlag. Das Getreide verfaulte auf den Feldern, die Ernährungslage war schlecht. Eine wissenschaftliche Theorie besagt, dass die Pest so viele Opfer in Europa fand, weil die Menschen durch Hungersnöte wie die von 1346/47 schon so geschwächt waren. Und wie bei Seuchen titulierte man auch bei unnatürlichen Wetterphänomenen zu Unrecht schnell die vermeintlich Schuldigen: den Teufel, Hexerei oder Juden. Doch mit dieser Thematik wird sich ein anderer Artikel unseres Digitalen Museums beschäftigen. Wir sind uns sicher – der Schnee hat nichts mit bösen Vorboten oder Hexerei zu tun, und schon heute scheint die Sonne wieder.

1. April

Es war einmal …
… ein verzauberter Prinz. Der fand sich eines morgens in einem Blätterhaufen auf einem Gelände voll mit Häusern, Tieren und Menschen, die in seltsamer Kleidung mit Kutschen ohne Pferde durch die Gegend fuhren. Der Prinz wusste nicht so recht, was da mit ihm geschehen war … vor einigen Tagen residierte er doch noch in seinem Schloss am schönen Bodensee. Außerdem, da war er sich ganz sicher, sah er auf einmal komplett anders aus … irgendwie war die Welt um ihn herum viel größer, seine Haut war grünbraun und er verspürte einen Heißhunger auf Regenwürmer. Und dann kam da noch so ein komischer Mann, der ein Blitzdings auf ihn gehalten hat. Irgendwas stimmt da gar nicht … vor allem als der Mann meinte: „Jetzt braucht es nur noch ein Maidle, dann wird aus der Kröte ein Prinz!“ Kröte – ja geht es denn noch? Der weiß ja wohl nicht, wen er da vor sich hat – Pah!

31. März

Schlechte Dämpfe und Teufelszeug – Was man früher über Krankheiten dachte

Viren und Bakterien – die Entdeckung dieser krankmachenden Überträger ist noch gar nicht so lange her. Erst im 19. Jahrhundert entdeckten Forscher wie John Snow oder Robert Koch, dass Bakterien als Krankheitsüberträger fungierten, das heißt, dass sie Krankheiten auslösten. Auch Viren konnten erst in den 1890er Jahren erstmals wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Doch wie hat man sich vor den Fortschritten der Wissenschaft das Auftreten und die Übertragung von Krankheiten erklärt? Nicht außer Acht zu lassen ist hier eine religiöse Komponente: So wurden (und bisweilen werden) Krankheiten oft als eine Strafe Gottes oder eine Tat des Teufels angesehen. Die Menschen, und auch die Kirche, suchten den Grund für massenhaft auftretende Krankheitsfälle, wie sie beispielsweise während der Pest der Fall waren, in ihrem eigenen Verhalten. Die Menschen starben wie die Fliegen, Leid und Elend traf die Überlebenden – irgendetwas mussten sie falsch gemacht haben, sonst würde Gott so etwas nicht zulassen. Man versuchte, den Allmächtigen durch Fasten und Beten gnädig zu stimmen. Auch die sogenannten Geißlerzüge, Menschen, die sich körperlich bestraften um Buße zu tun, waren unter anderem eine Begleiterscheinung des Schwarzen Todes. Allerdings erreichten sie genau das Gegenteil dessen, was sie eigentlich beabsichtigten: die wandernden Menschengruppen verbreiteten die Krankheit nur noch weiter.

Doch versuchten Gelehrte schon in der Antike und später auch im Mittelalter Erklärungen für das Auftreten von Krankheiten zu finden, die nichts mit Gott zu tun hatten. Äußerst verbreitet war die Theorie des „Miasmas“. Das Miasma bezeichnet eine Art krankheitsauslösenden Stoff, der durch Faulprozesse in der Luft und in Gewässern jeglicher Art entsteht. So dachte man beispielsweise, dass Cholera durch die schlechten Gerüche der Flüsse entsteht und übertragen wird. So falsch war das gar nicht – war es im Fall der Cholera tatsächlich das Wasser, das die Krankheit verbreitete. Aber nicht über Miasmen, sondern schlicht durch Bakterien. Die Flüsse wurden in früheren Zeiten nämlich als Kloake missbraucht und sämtliche Abwässer einer Siedlung ungefiltert hineingeleitet. Das bot den Bakterien einen idealen Nährboden. Was Entstehung und Verbreitung von Seuchen betraf lagen folglich die Menschen mit den Miasmen gar nicht so falsch – nur erkannten sie die wirklichen Auslöser von Krankheiten noch nicht. Die Menschen bekämpften die Miasmen – und tätigten teilweise so unwissentlich wirksame Schritte gegen die Krankheitsverbreitung. Z.B. führte die Angst vor krankmachenden Miasmendämpfen im Mittelalter dazu, dass viele Menschen die Öffentlichkeit mieden und in ihren Häusern blieben – gar nicht unähnlich der heutigen Quarantäne. Seuchen-Tote wurden außerhalb der Stadt beerdigt, ihr Hab und Gut verbrannt, Sümpfe trockengelegt, Handelsschiffe im Hafen unter Quarantäne gestellt bis sie entladen werden durften, Kranke und Fremde isoliert; alles um die Entstehung weiterer Miasmen zu verhindern – und all dies Schritte, die gegen die Ausbreitung von Seuchen tatsächlich wirksam waren.

Mit unserem heutigen Wissen ist es für uns viel einfacher, gegen Krankheitsverbreitung vorzugehen und uns vor Krankheiten zu schützen. Gerade im Moment gilt: regelmäßig und sorgfältig die Hände waschen, Abstand zu unseren Mitmenschen einhalten und am besten zuhause bleiben.

Literaturempfehlungen zum Thema:
– Rothschuh, Karl Eduard: Konzepte der Medizin in Vergangenheit und Gegenwart, Stuttgart 1978.
– Metzke, Hermann: Lexikon der historischen Krankheitsbezeichnungen, Neustadt / Aisch 1995.
– Vasold, Manfred: Grippe, Pest und Cholera. Eine Geschichte der Seuchen in Europa, Wiesbaden 2015.

30. März

Unsere berühmten Neuhauser Dünnele – oder wie man den Montagsblues bekämpft.

Auch im Homeoffice gibt es ihn – den Montagsblues. Nochmal im Bett rumdrehen, die nervige Telefonkonferenz auf den nächsten Tag verschieben – das wäre was. Doch das ist leider nicht immer möglich und so haben wir heute etwas gaaaanz besonderes für euch, direkt aus unserer Museumsschatzkiste: das Rezept für unsere beliebten und bekannten Dünnele. Doch Stopp – Dünnele, was sind das eigentlich? Dünnele, je nach Region auch Dinnete oder Dünne genannt – ist die südeutsche Version der Pizza!

Ihr braucht dafür:
– 1 kg Weizen- oder Dinkelmehl (Typ 812)
– 30 g Salz
– 42 g Hefe („einen Bollen“)
– 0,6-0,7 l Wasser

Das Ganze verarbeitet ihr zu einem glatten Teig, den ihr gehen lassen müsst. Danach zu kleinen, flachen Böden formen und nun kommt das Beste: belegen! Bei uns im Museum gibt es Dünnele mit den verschiedensten Belägen: Speck, Käse, Kräuter oder sogar süß mit Apfel und Zimt. Wichtig ist, dass ihr immer eine Masse aus Schmand, Eiern und Gewürzen unter den Belag streicht – sonst wird das Ganze eine trockene Angelegenheit. Die fertig belegten Dünnele bei hoher Temperatur (210 Grad Umluft) in den Backofen einschießen, dann mit der Temperatur zurückgehen und die Dünnele goldbraun backen! En Guate!

PS: Wir freuen uns über Bilder eurer fertigen Backwerke! Und, wünscht sich jemand auch das Rezept für unseren pikanten und süßen Belag?

27. März

Auch für dieses Wochenende gibt es wieder ein kleines Quiz. Da ihr momentan unser Museum ja nicht besuchen könnt, ist das Quiz mit Hilfe unserer Webseite und des Internets lösbar. Schickt die Lösungen wie auch letzte Woche bis Sonntagabend, 20 Uhr, per facebook-Nachricht oder Email (info@freilichtmuseum-neuhausen.de) an uns. Zu gewinnen gibt es zwei Freikarten – auf dass wir uns hoffentlich bald wieder im Museum sehen – die wir unter allen richtigen Einsendungen verlosen. Das Thema dieses Quiz: unsere Museumstiere.

1. Ab Mitte April leben in unserem Museum zwölf rüsselnasige Gefährten. Unsere Museumsschweine. Sie werden trainiert und ab Mitte Mai bei der täglichen Schweinehut durchs Museumsdorf geführt. Wisst ihr, welcher Rasse unsere Museumsschweine angehören?
2. Die Ziege – sie leben bei uns im Tagelöhnerhaus – wird auch als „Kuh des armen Mannes“ bezeichnet. Warum?
3. Wie heißen die zwei Esel, die in unserem Weberhaus Dautmergen leben?
4. Wie heißt das Gewässer, in dem unsere Museumsgänse täglich ein Bad nehmen? Kleiner Tipp: diese Wasseransammlungen sind überall auf der Schwäbischen Alb zu finden und stellten die Wasserversorgung des Dorfes sicher.
5. Wie schwer kann eines unserer Museumshühner werden?

Viel Spaß und Glück beim Rätseln!

26. März

Der Schwarze Tod – die Pest in Württemberg

In den Jahren 1346 bis 1353 suchte eine der folgenreichsten Pandemien der Weltgeschichte Europa heim: die Pest, in dieser Phase auch Schwarzer Tod genannt. Ursprünglich kam die Krankheit aus Zentralasien und verbreitete sich durch den Rattenfloh über den Mittelmeerraum bis ins Gebiet des Heiligen Römisches Reiches Deutscher Nation und darüber hinaus. Die Pest wird vom Bakterium Yersinia pestis übertragen und kann in verschiedenen Formen auftreten. Während der Zeit des Schwarzen Todes waren das Beulen- und Lungenpest.

Forscher gehen heute davon aus, dass die Pest Württemberg im Jahre 1349 erreichte. Denn interessant ist eines: es gibt keine Quellen, die über die Pest berichten. Forscher können also nur über so genannte Sach- oder Sekundärquellen auf ein Vorhandensein der Pest schließen. Ganz klassisch sind das zum Beispiel vorgefundene Massengräber, die auf den Zeitraum um 1350 datiert werden können und deren sterbliche Überreste das Pest-Bakterium nachweisen lassen. Aber auch so genannte Urbare, das sind Besitzbücher, können Hinweise auf die Pest geben. In diesen Urbaren wurde festgehalten, welche Dörfer Klöstern oder Herrschaften gehörten und welche Abgaben sie zu leisten hatten. Nach der großen Pestwelle fehlen beispielsweise im Bebenhäuser Urbar einige Dörfer auf der Besitzliste – man spricht davon, dass sie „wüst gegangen“ sind. Doch warum werden aus Dörfern Wüstungen? Hier greift wieder die Pest in die Erklärung ein: sterben innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes viele Menschen in einem Dorf, ist das Dorf nicht mehr überlebenstüchtig. Die Felder können nicht mehr bestellt werden, die Infrastruktur und Ordnung bricht zusammen. Die wenigen verbliebenen Bewohner wandern in andere Dörfer ab. Natürlich gehen Dörfer auch aus anderen Gründen wüst: wenn der Ackerboden beispielsweise ausgelaugt ist oder wenn es durch kriegerische Handlungen zerstört wurde. Wenn ein Dorf im Jahr 1349 in Württemberg wüst ging, war die Wahrscheinlichkeit jedoch sehr hoch, dass das eine Folge der Pest war. Doch Europa und damit Württemberg war nach den 1350er Jahren nicht von der Pest befreit. Diese kehrte zyklisch immer wieder in die Gegend zurück, oft auch als Begleiterscheinung von kriegerischen Handlungen, da Soldatenheere die Krankheit von Ort zu Ort trugen. Dies zog sich auf dem heutigen deutschen Staatsgebiet bis in das 18. Jahrhundert.

Und ebenfalls gilt es eines zu beachten: Pest ist nicht gleich Pest. Früher wurde der Begriff Pest allgemein für seuchenartige Krankheiten benutzt. Auch war die Medizin noch nicht so weit, dass verschiedene Krankheiten eindeutig voneinander unterschieden werden konnten. Die Pest, wenn sie in Quellen als solche bezeichnet wurde, konnte also die wirkliche Pest sein, aber auch andere Krankheiten wie Cholera oder Milzbrand.

Weiterführende Literaturtipps:
– Bergdolt, Klaus: Der Schwarze Tod in Europa, C.H. Beck, München 1994.
– Froben Christoph von Zimmern: Die Zimmerische Chronik, 1540/1566, online: wikisource.org. (Eine Familienchronik      über die Herren von Zimmern, damalige Besitzer der Burg Wildenstein, in der die Pest immer wieder sehr                          eindrücklich geschildert wird.)
– Wille, Wolfgang: Das Bebenhäuser Urbar von 1356, W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2015.

25. März

Als es während der Schulzeit noch keine Handys gab, war das Himmel-und-Hölle-Fingerspiel äußerst beliebt. Damit ließ sich unter anderem herausfinden, was denn das geeignete Mittagessen wäre und welche Shirtfarbe man morgen tragen sollte.Unsere Azubine Evelyn hat euch eine tolle Anleitung dafür erstellt, die ihr entweder nur für euch oder auch mit euren Kindern nachbasteln könnt. Viel Spaß!

24. März

Ja, war denn da ein Eichhörnchen am Werk? Oder sind Tannenzapfen die neue Währung? Nein, unsere Museumsmitarbeiter haben die Tannenzapfen fleißig gesammelt. Jetzt fragt ihr euch sicher warum … so viel sei verraten, wir brauchen die Zapfen in unserem Museumsalltag. Wer von euch hat eine Idee, für was sie nötig sind? Okay, wir verraten es: Die Zapfen werden entweder als Brennhilfe für unsere Öfen verwendet oder getrocknet, um die Samen daraus zu gewinnen.

23. März

Pandemie – Ein neues Phänomen?

Der Begriff ‚Pandemie‘ ist gerade überall zu hören und zu lesen. Corona-Pandemie, Krankheits-Pandemie, Covid19-Pandemie … aber was ist denn eigentlich eine Pandemie? Und ist das ein Phänomen, das es erst seit kurzer Zeit gibt?

So viel vornweg – nein. Pandemien gibt es schon, seit Menschen die Erde bevölkern. Als Pandemie wird nämlich die weltweite Ausbreitung einer Krankheit beim Menschen bezeichnet. Das unterscheidet sie auch von der Epidemie – eine Epidemie ist räumlich begrenzt. Während sich die Pandemien früher hauptsächlich über Menschen auf den Handelsrouten und damit Schiffe verbreiteten, spielt heute das Flugzeug eine große Rolle.

Besonders bekannt ist die Pest-Epidemie des späten Mittelalters, auch bekannt als ‚Der Schwarze Tod‘. Später grassierten immer wieder Krankheiten wie Pest, Cholera, Typhus, Pocken oder auch Grippeviren pandemisch. Auch die Spanische Grippe von 1918 bis 1919 gehört zu den großen Pandemien. Das klingt jetzt erst einmal sehr gruselig – aber dabei gilt es eines zu bedenken: die Medizin entwickelt sich von Tag zu Tag weiter und wird ausgefeilter, die Wissenschaft macht unglaubliche Fortschritte und auch die allgemeine Hygiene wird überall auf der Welt besser. Während die Menschen im Mittelalter gegen die Pest nicht viel mehr tun konnten als zu beten und die Häuser auszuräuchern, werden heute Impfstoffe entwickelt und es gibt Krankenhäuser, die sich professionell um die Erkrankten kümmern können. Wenn wir alle zusammenhelfen, dann werden wir die Pandemie überstehen. Also: bleibt Zuhause, wascht euch die Hände und achtet auf eure Mitmenschen!

In der nächsten Zeit werden wir euch mit Informationen über historische Pandemien, aber auch über das Thema ‚Krankheit früher‘ versorgen. Denn eines ist gerade in Krisenzeiten wichtig: Bildung und die Fähigkeit, wahre von unwahren Fakten zu unterscheiden.

19. März

Für das kommende Wochenende haben wir uns etwas Besonderes ausgedacht: ein Museums-Quiz. Da ihr momentan unser Museum ja nicht besuchen könnt, ist das Quiz mit Hilfe unserer Webseite und des Internets lösbar. Schickt die Lösungen bis Sonntagabend, 20 Uhr, per facebook-Nachricht oder Email (info@freilichtmuseum-neuhausen.de) an uns. Unter allen richtigen Lösungen verlosen wir zwei Freikarten für unser Museum. Das Thema des Quiz: unsere Museumshäuser.

1. Unser Schwarzwaldhof kommt aus Schonach und war letztes Jahr „Haus des Jahres“. In welchem Jahr wurde er ursprünglich an seinem alten Standort erbaut und wann wurde er im Museum wiederaufgebaut?
2. Schul- und Rathäuser sind geschlossen – auch bei uns im Museum. Woher kommt denn unser Schul- und Rathaus?
3. Es zischt und brodelt, es raucht und riecht nach Kohle. Ein Blasebalg ist zu hören, ebenso Hammerschläge auf einem Amboss. Welches Gebäude ist gemeint?
4. Während des Wiederaufbaus im Museum brannte dieses Gebäude am 1. April 1998 ab. Nach der Rekonstruktion dient dieses Haus heute vor allem der Museumspädagogik und in seinem Erdgeschoss ist eine Wagnerei eingerichtet.
5. Dieses Gebäude ist das älteste Gebäude unseres Museums – und es ist lautstark im ganzen Museum zu hören.

Viel Spaß beim Knobeln und wir sind sehr gespannt auf eure Einsendungen!

19. März

Museumsgaststätte Ochsen

Der Museumsgasthof Ochsen wird von Franz Noll und seinem Team betrieben. Bei schönem Wetter ist es wunderbar, im Biergarten zu sitzen und die Sonne zu genießen und dabei lecker zu essen. Auch der Gasthof hat mit der Corona-Krise zu kämpfen, hat sich aber etwas ganz Tolles ausgedacht: einen Lieferdienst für Zuhause! Ihr könnt also weiterhin seine deutsch-ungarischen Spezialitäten genießen. PS: Die Volontärin empfiehlt die Kässpätzle mit ganz viel Zwiebeln …

18. März

Zaun am Haldenhof

Zu Beginn des Jahres beschäftigte uns das Sturmtief Sabine, das auch bei uns im Museum kleinere Schäden angerichtet hat. Zum Beispiel wurde der Gartenzaun unseres Haldenhofs umgeweht. Unser Handwerkerteam hat einen Neuen gebaut, so dass der Garten nun wieder bepflanzt werden kann. Wusstet ihr das? Alle Zäune in unserem Museum werden von unserem Team von Hand gebaut – mit selbst gesägten Balken und handgeschmiedeten Eisennägeln aus unserer Museumsschmiede – so dass alles schön authentisch aussieht!

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